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09.11.2023 - ein deutscher Gedenktag

09. 11. 2023

  Der 09. November 2023 – ein deutscher Gedenktag20231109_095813

 

Die Zeugen Jehovas zählten zischen 1933 und 1945 und später in der DDR zu den härtesten verfolgten Minderheiten. Mehr als 12.000 Zeugen Jehovas waren von den Verfolgungsmaßnahmen der Nationalsozialisten unmittelbar betroffen. Dazu zählten weit über 10.000 Verhaftete.

 

Klara Busse

Geboren am 26.08.2894 und verhaftet am 24.07.1940. Klara Busse trug die Häftlingsnummer 1310. Laut ihrer Sterbeurkunde starb Klara Busse am 08.01.1943 um 20:15 Uhr in der Kasernenstraße in Auschwitz an einem Gehirnschlag. Als „glaubenslos“ erscheint die Angabe in der Sterbeurkunde. Klara Busse gehörte in Wahrheit jedoch der von den Nazis verfolgten Gemeinschaft der „Bibelforscher“ an. 

Die Tochter von Frau Busse, Frau Gerda Steinfurth, erhielt eine Mitteilung aus Auschwitz. In der Erinnerung schreibt sie 2005:

„Ich erhielt die Mitteilung, dass sie an einem Gehirnschlag gestorben ist und dass es trotz bester ärztlicher und medikamentöser Hilfe nicht möglich gewesen sei, der Krankheit Herr zu werden. Wenn ich einen Platz auf dem Hennigsdorfer Friedhof nachweisen würde, könnte ich ihre Urne erhalten. Ich antwortete: „Habe ich meine Mutter lebend nicht haben dürfen, können Sie sie auch tot behalten.“ Ich hatte meine Entscheidung meinem Vater in das KZ Sachsenhausen mitgeteilt und er antwortete, dass wäre ganz in seinem Sinn, denn der Inhalt der Urne wäre sowieso zweifelhaft“.

 

Wilhelm Busse

Klara und Wilhelm Busse lebten seit den 1920er Jahren in Hennigsdorf. Das Paar hatte sich im letzten Kriegsjahr 1918 trauen lassen. Im Juni 1920 kam Tochter Gerda zur Welt. Im Jahr 1923 traten sie aus der evangelischen Kirche aus und schlossen sich den zeugen Jehovas an. Mit der Glaubensgemeinschaft trafen sie sich oft in einem Raum der Gaststätte „Gambrinus“. Im Jahr 1935 wurde Wilhelm Busse verhaftet und zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, die er bis April 1936 absaß. Nur wenige Monate später kam die Gestapo in die Wohnung, um Busse erneut festzunehmen. In der Verhandlung im Januar 1937 wurde ihm der Besitz des „Wachturms“ zur Last gelegt und er wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt, die er in der Haftanstalt Berlin-Tegel verbüßte.

Als Tochter Gerda ihn aus dem Gefängnis zum Entlassungstermin abholen wollte, wartete sie vergeblich. Vom Pförtner erfuhr sie nur, dass ihr Vater von der Gestapo abgeholt worden war. Ein Dreivierteljahr wusste die Familie nicht, wo der Familienvater geblieben war und ob er überhaupt noch lebte. Weil Wilhelm Busse keine Verpflichtungserklärung abgegeben hatte und der Glaubensgemeinschaft nicht abschwor, kam er im April 1938 unmittelbar nach seiner Haftentlassung in das KZ Sachsenhausen. Von dort erhielt die Familie nach 9 Monaten bangen Wartens endlich eine Karte und damit ein Lebenszeichen. Wilhelm Busse bleib bis zum Kriegsende im KZ Sachsenhausen und überlebte den Todesmarsch von dort nach Schwerin. Ende des Jahres 1945 kamen Vater und Tochter wieder in Hennigsdorf zusammen. Im Jahr 1950 wurde Wilhelm Busse erneut verhaftet und zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach 5 ½ Jahren Gefängnis in der Haftanstalt Brandenburg-Görden verstarb er dort unter den schweren Haftbedingungen im Alter von 69 Jahren an einem Hirnschlag.

 

Heute sind wir hier um Klara und Wilhelm Busse und an andere Juden die im zweiten Weltkrieg verstorben sind zu gedenken.

 

 20231109_095713Die SOR-Gruppe der Oberschule „Adolph Diesterweg“